Man fragt sich, was in die angesehene Frankfurter Allgemeine Zeitung gefahren ist: Sie brachte kürzlich einen Artikel eines österreichischen Schriftstellers David Schalko, dessen Name mir nicht geläufig war, in dem ein groteskes Zerrbild von Österreich gezeichnet wird. Abgesehen davon, dass der Text von grammatikalischen Fehlern und völlig unsinnigen Sätzen wimmelt, wird ein Land beschrieben, das mir unbekannt ist. Von einem „Aufstand der beleidigten Massen“ ist die Rede und von einer Rechten, die das Land „mit einer beispiellosen verbalen Barbarei überzieht“.
EINE EINMALIGE FEHLLEISTUNG?
Man könnte das als eine einmalige Fehlleistung in einem Blatt sehen, das in Wien übrigens durch eine hervorragenden, fairen und unaufgeregten Korrespondenten vertreten ist, der für seine Leser ein sehr differenziertes, aber auch von Sympathie getragenes Bild von diesem Land zeichnet. Es fällt aber auf, dass auch in anderen in- und ausländischen Blättern in ähnlicher Tonart über Österreich geschrieben wird: Ein Land in einem permanenten präfaschistischen Zustand.
Der Autor in der FAZ beschwört die romantische Idee einer Linken, die er auffordert, „die alte kämpferische Kultur wiederzubeleben. Den Linken bleibt das Kämpfen“. Der „brillante Neo-Kanzler“ figuriert als neuer Heilbringer, “der sich sehr darum bemüht, moderne visionäre Ansätze für die Sozialdemokratie zu finden“. Es stellt sich dann heraus, dass damit die Maschinensteuer gemeint ist. Die Rechte sei beseelt vom „Hass auf den Emporkömmling“. Es gehe „in Wahrheit um die Wiedererschaffung von Milieus“, tunlichst rund ums Internet.
BEI DIESEM DISKURS GEHT ES IN WIRKLICHKEIT UM DIE HOHEIT DER GESCHICHTSINTERPRETATION UND LETZTLICH DARUM, DIE MACHTBETEILIGUNG DER SPÖ ZU SICHERN.
Wenn man versucht, aus dem wirren Gebräu etwas zu entnehmen, dann ist so etwas wie der Versuch, eine „Rechte“ zu konstruieren, die Österreich angeblich im Griff hat. Bei diesem Diskurs geht es in Wirklichkeit nicht darum, das Land vor einem angeblich drohenden neuen Faschismus zu retten, sondern um die Hoheit über die Geschichtsinterpretation und letztlich darum, die Machtbeteiligung der SPÖ zu sichern. Eine Koalition der ÖVP mit der FPÖ fällt unter das Verdikt „Bürgerblock“ oder „Rechtsbündnis“, wenn die SPÖ dasselbe tut, ist es wohlverstandener Pragmatismus.
Man muss an ein paar Fakten erinnern: Die FPÖ unter Jörg Haider ist nicht erst ab 2000 groß geworden, sondern in den eineinhalb Jahrzehnten davor. Schon vergessen, dass die FPÖ am Ende der Neunzigerjahre die zweitstärkste Partei gewesen ist? Dazu haben am meisten jene „Ausgrenzer“ in der SPÖ und grüne Moralisten beigetragen, die vorgaben, Haider zu bekämpfen. Sie haben ihn und seine Partei erst für Leute jenseits der deutschnationalen Sekte, die die FPÖ vorher gewesen ist, interessant gemacht.
DIE FPÖ ALS STEIGBÜGELHALTER
Wenn die FPÖ als Steigbügelhalter wie von 1970 bis 1971 oder als echten Koalitionspartner wie von 1983 bis 1986 gebraucht wird, ist sie plötzlich eine „liberale“ Partei. „Unsere FPÖ“ ist dann eben keine FPÖ. Das werden wir nach der nächsten Nationalratswahl wieder erleben. Die Vorbereitungen dafür werden schon ja schon ganz offen getroffen.