Es ist hoch an der Zeit, vieles zu hinterfragen. Zum Glück sind wir ja in der Regel mit Hirn und Hausverstand ausgestattet und diese sollten unser Tun und Handeln mehr steuern, als irgendwelche abstrusen Vorschriften, die oft einen ganzen Bürokratieschwanz nach sich ziehen.
Kürzlich schreibt mir ein tüchtiger Kleinunternehmer:
„Gestern hat wieder ein neuer Lehrling bei uns angefangen. Da wir einen neuen Firmenstandort haben, muss unser Betrieb von einem Vertreter der Wirtschaftskammer und dann von einem Vertreter der Arbeiterkammer begutachtet werden. Erst nach deren Visite und positiver Bescheinigung ist der Lehrvertrag rechtsgültig und der Lehrling kann offiziell die Lehre bei uns beginnen. Es ist aber so, dass an unserem neuen Standort schon im November 2015 eine gewerbebehördliche Überprüfung mit positivem Ausgang stattgefunden hat. Dazu waren 3 Personen (1x Gemeinde, 1x BH, 1x Sachverständiger) anwesend. Und damit meine Zeit noch etwas unproduktiver wird, bekomm ich in 3 Wochen noch Besuch vom AUVA Arbeitsmediziner…Warum kann nicht alles im Zuge der gewerbebehördlichen Überprüfung erfolgen? Warum braucht es so viele Vertreter diverser Körperschaften? Schafft das eine Person nicht? Wer bezahlt das alles am Ende des Tages?“
Wer bezahlt den ganzen Aufwand? Kann ja wieder nur der Unternehmer sein!
Ein anderer schrieb mir:
„Wir kämpfen regelmäßig mit unausgegorene Verordnungen die in Kraft treten, und im „Echtbetrieb“ oft wieder geändert werden. Wir mussten auf elektronische Rechnungen umstellen. Die Vorschrift hierfür verlangte eine digitale Signatur. Wir programmierten unsere Systeme entsprechend und mittlerweile hat die Politik die Verpflichtung zur digitalen Signatur wieder aufgehoben, da dies anscheinend doch völlig impraktikabel war. Unseren umsonst getätigten Programmieraufwand bezahlt uns natürlich keiner. Das Ganze erinnert irgendwie an andere unausgegorene Themen wie Nichtraucherschutz in Wirtshäusern und die leidige Registrierkassa…“
Verwaltungskosten führen bei Unternehmen zu einem gewaltigen Aufwand, was natürlich gesamtvolkswirtschaftlich betrachtet werden muss. In Folge der hohen Kosten und insbesondere auch des Aufwandes, mitunter verursacht durch diverse Berichtspflichten, investieren Firmen hierzulande immer weniger und stellen weniger Mitarbeiter ein.
In Deutschland macht sich gerade Sigmar Gabriel für den Bürokratieabbau stark. Letzte Woche brachte er das zweite Gesetz ins Kabinett, mit welchem vor allem kleinere Unternehmer von unnötigen Lasten befreit werden sollen; es geht um Einsparungen von geschätzten 360 Milliarden Euro. Ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man die rund 40 Milliarden Euro Kosten für Unternehmen alleine für Melde- und Berichtspflichten betrachtet, aber immerhin ein winziger Schritt. Wir bleiben gespannt, was sich hierzulande im Herbst tut, denn auch unsere Regierung plant eine deutliche bürokratische Entlastung für Unternehmer.
Abschließend sei festgehalten: Wie es unserem Wirtschaftsstandort geht – nämlich eher nicht so toll – ist nicht eine Frage der fehlenden guten Stimmung und Laune, wie das so mancher Politiker darstellen möchte, sondern eine Frage der unternehmerfreundlichen Rahmenbedingungen. In Zeiten der Rekordarbeitslosigkeit wollen unsere Unternehmer nicht bespaßt werden, um wieder zu investieren, sondern sie brauchen ein rechtssicheres wirtschaftsfreundliches Umfeld, wo sie als Vorbild, nicht als Feindbild gesehen werden.