Bei einer Tagung über Migration kürzlich in Wien hat der bekannte Pastoraltheologe Paul Zulehner gemeint, die Furcht „die würden uns niedergebären“ sei aufgrund der soziologischen Daten unbegründet. Mit “die“ sind die Muslime gemeint, näherhin also die muslimischen Frauen, die eine bedeutend höhere Geburtenrate haben als die Frauen der angestammten Bevölkerung.
EUROPÄISCHE WERTESTUDIE
Der Theologe berief sich dabei auf die „Europäische Wertestudie“, die seit den Siebzigerjahren läuft und die er betreut. Diese liefert Vergleichsdaten aus ganz Europa über die Veränderung von Werthaltungen über die Jahrzehnte. Die Studie zeige deutlich, so Zulehner, dass das Reproduktionsverhalten der Muslime und anderer zugewanderter Kommunitäten sich in ein bis zwei Generationen an das der Mehrheitsbevölkerung angleiche, also die Geburtenrate von jetzt über zwei Kinder pro Frau auf wenig über eins zurückgehen werde.
Also keine Sorge! ruft Zulehner aus, der auch nicht müde wird, die Vorteile einer multikulturellen „bunten“ Gesellschaft zu rühmen. Bunt und das von ihm erfundene Wort „Verbuntung“ sind überhaupt Zulehners Lieblingsvokabel, auch im Zusammenhang mit der Kirche. Vor allem würden die Frauen der Zuwanderer von der größeren Freiheit in unserer Gesellschaft profitieren. Man braucht die Daten von Zulehners Wertestudie gar nicht zu bezweifeln, um dennoch seinen Optimismus nicht zu teilen.
DEMOGRAPHISCHE ENTWICKLUNGEN HABEN NÄMLICH DIE UNANGENEHME EIGENSCHAFT, SEHR LANGFRISTIG ZU WIRKEN UND SICH ERST NACH JAHRZEHNTEN BEMERKBAR ZU MACHEN.
Demographische Entwicklungen haben nämlich die unangenehme Eigenschaft, sehr langfristig zu wirken und sich erst nach Jahrzehnten bemerkbar zu machen. Dass es in Wien heute hunderte Pflichtschulklassen gibt, in denen kein einziges Kind mit deutscher Muttersprache mehr sitzt, ist in den Jahren der Gastarbeiteranwerbung und dann durch die Zuwanderung in der Folge der jugoslawischen Nachfolgekriege grundgelegt worden. Bevor die Zugewanderten die europäischen Lebensgewohnheiten, einschließlich niedriger Geburtenraten, angenommen haben werden, werden sich die höheren Geburtenraten der letzten Jahrzehnte ausgewirkt haben und zwar exponentiell.
„Kinder werden die Leute immer haben“, sagte der deutsche Bundeskanzler der Fünfziger Jahre und einer der Gründungsväter der Europäischen Union, Konrad Adenauer und meinte damit, man müsse sich um die demographische Entwicklung keine Sorgen machen. Diese sei ein natürlicher Vorgang. Unterdessen hat sich herausgestellt, dass das keineswegs im Sinne Adenauers so ist. Die Leute haben zwar Kinder, aber zu wenige, damit man genug Arbeitskräfte hat und in Zukunft der Sozialsysteme sichern zu können. Das gilt für Deutschland und Österreich gleichermaßen.
ZUWANDERUNG ALS LÖSUNG DES DEMOGRAPHISCHEN PROBLEMS?
Weitere Zuwanderung wird nun allenthalben als Lösung des demographischen Problem ausgegeben. Das ist aber falsch. Selbst die hohe Zuwanderung von vermutlich 1,5 Millionen Menschen (vielleicht sind es auch mehr, niemand weiß das so genau) in Deutschland und gesicherten 90.000 in Österreich wird bestenfalls die langfristige Schrumpfung der Bevölkerung bremsen oder aufhalten.
Das eigentliche Defizit aber, das Missverhältnis zwischen der Zahl der Älteren, die zur versorgen sind und den Jungen, die durch ihre Arbeit dafür aufkommen müssen, wird dadurch nicht behoben. Das liegt einerseits an den Folgen früherer demographischer Weichenstellungen, anderseits daran, dass von den Zugewanderten viele in die Arbeitslosigkeit einwandern und zur Finanzierung der Sozialsysteme nichts beitragen, sondern sie im Gegenteil noch belasten.