Der Weltuntergang findet in Deutschland statt – oder: Regieren gegen die eigenen Interessen

Die „German Angst“ ist in der englischsprachigen Welt ein fester Ausdruck. Auch in Frankreich gehört „Angst“ als etwas spezifisch Deutsches zum politisch-psychologischen Wortschatz. Nicht, dass es in den beiden Sprachen kein Wort für Angst gäbe (fear, anxiety bzw. peur), aber für die deutsche Angst fehlt beiden Sprachgemeinschaften der Begriff, sie können sie nur mit dem  Original bezeichnen.

Deutsche Angst ist nicht etwas Persönliches, es ist nicht die, die jemanden vor einer Bedrohung, einer Gefahr oder dem Tod befallen mag. Die German Angst, das sind kollektive gesellschaftliche und politische Verhaltensweisen, die es so eben nur in Deutschland gibt. Es sind gemeinsame Stimmungen, die aus angeblichen oder wirklichen Gefahren entstehen und dann zu irrationalen Entscheidungen führen.

Als die Sowjetunion Ende  der Siebzigerjahre  atomare Mittelstreckenraketen in Osteuropa stationierte, reagierten die USA darauf mit der Aufstellung von Pershing II – Raketen und Tomahawk-Marschflugkörper mit Atomsprengköpfen in Europa, auch in Deutschland. Während das in den übrigen Stationierungsländern als eine notwendige strategische Entscheidung für die eigene Sicherheit gelassen hingenommen wurde, entstand in Deutschland geradezu eine Hysterie. Monatelang wurde dagegen demonstriert. Manche sahen wegen der „Nachrüstung“ gar schon den Atomkrieg ausbrechen, den sie in Wirklichkeit zu verhindern half.

Ein paar Wochen nach der Katastrophe in den Atomkraftwerken von Fukushima in Japan beschloss die deutsche Regierung das Aus für acht Kernkraftwerke und einen stufenweisen Ausstieg aus der Atomwirtschaft bis 2022. Ein paar Monate davor hatte sich  dieselbe Regierung noch für eine Verlängerung der Laufzeit  entschieden, weil sie von der hohen Qualität der deutschen AKW überzeugt war. Man muss sich das vergegenwärtigen: In einem Land bricht eine Naturkatastrophe aus und zerstört verantwortungslos geführte AKW und in 7000 Kilometern Entfernung werden daraufhin die besten AKW der Welt, in denen es noch nie ein Unglück gegeben hat, zugesperrt.

Das was nun als „Energiewende“ bezeichnet wird, hat einen ganzen Industriezweig in Deutschland zerstört, denn wer wird in einem Land ein AKW oder Ausrüstungen dafür kaufen, das selbst kein AKW betreibt? Die „alternativen“ Technologien Windkraft und Solarstrom laden der deutschen Wirtschaft Stromkosten auf, die ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Gar nicht nebenbei schadet die Energiewende den osteuropäischen Nachbarn Deutschlands.

Die Energiewende wird Deutschland bis zu zwei Billionen Euro kosten – haben die deutschen Technikakademien errechnet. In einer Wirtschaft ohne Kohlenstoffemissionen müsste die Kapazität der Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen auf das Fünf- bis Siebenfache der gegenwärtigen Leistung anwachsen.

Bei Klimawandel geht es in Deutschland um nicht weniger, als die Welt vor dem Untergang zu retten, wenn nötig dann im Alleingang. Nur kann Deutschland, auch wenn es sich selbst die höchsten Einsparungsziele setzt, nichts daran ändern, dass die großen Belastungen für das Klima in China und Indien entstehen.

Selbst wenn Deutschland das selbstgesteckte Ziel der  „Dekarbonisierung“ der Wirtschaft bis 2050 erreicht – wie gesagt zu den oben genannten Kosten – wird das wenig an der globalen Bilanz ändern.

Und nun haben die Deutschen (und die Österreicher mit ihnen) schon wieder einen Grund, sich zu fürchten und irgendwo einen bösen „Konzern“ als Feind der Menschheit auszumachen: Glyphosat. Nirgend anderswo als in Deutschland wäre es möglich, dass die Verlängerung der Zulassung eines Planzenschutzmittels, das seit Jahrzehnten eingesetzt wird, zur Krise einer Regierung wird, die es noch gar nicht gibt.

Die Torheit der Regierenden

Von „Politik im Gegensatz zu den eigenen Interessen“ spricht die  große amerikanische Historikerin Barbara Tuchman in ihrem berühmten Buch „The march of folly – Die Torheit der Regierenden“. Vom trojanischen Pferd über die Renaissance-Päpste, den Verlust der englischen Kolonien in Amerika bis zum   Vietnam-Krieg wird das abgehandelt. Lebte Tuchman noch, würde sie in der heutigen Politik Deutschlands ein weiteres Beispiel finden.