Schimpfwort Konzern

Durch Zufall bin ich in der Zeitung auf eine kleine Meldung gestoßen: Die Anton Paar GmbH in Graz-Straßgang „kauft in den USA zu“. Die steirische Firma, Spezialist für Messtechnik, hat die Quantachrome in Boynton, Florida gekauft. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Meldung endet mit den beiden Sätzen: „Die Anton Paar-Gruppe ist mit 29 Vertriebstöchtern und sieben produzierenden Betrieben in 110 Ländern operativ tätig. In Summe beschäftigt der Konzern rund 2900 Mitarbeiter.“

Was soll an einer solchen Nachricht Besonderes sein? Ein sehr erfolgreiches österreichisches Unternehmen erweitert sich eben und kauft ein anderes aus der derselben Branche. Und dieses  befindet sich eben in den USA. Ein ganz normaler Vorgang in der globalisierten Wirtschaft. Es ist das Wort „Konzern“, das auffällt. In der heute üblich gewordenen, auch von ganz normalen  Zeitungen geschürten Feindseligkeit gegen Wirtschaft und Unternehmertum ist „Konzern“ nämlich ein beliebtes Schimpfwort.

„Schluss mit grünen Lügen der Konzerne“, heißt es in der Reklame für einen Film. Der Regisseur erklärt in einer ORF-Sendung „wie sich Konsumenten gegen die Ökotricks der Konzerne wehren können“. Für die Grünen des Bezirkes Mödling warnte der Nationalsratsabgeordnete Wolfgang Pirklhuber, Sprecher für Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit der unterdessen aus dem Nationalrat geflogenen Partei „vor der zunehmenden Macht der Gentechnik-Konzerne. Die Überschrift lautet: „Für die Bauern und nicht für die Konzerne“.

Die Voest in Linz, der Stolz jeden Österreichers, wenn von großer Industrie in unserem Land die Rede ist, ist natürlich auch ein Konzern, ein Zusammenschluss von rechtlich selbständigen Unternehmen unter einer einheitlichen Leitung. Es sind ein paar Dutzend Firmen in Österreich und im Ausland, auch in den USA. Vom Konzern Voest werden Bleche hergestellt, die an deutsche oder amerikanische Hersteller gehen, wo daraus unter anderem die Kühlerhauben und Fahrerhäuschen für Traktoren gemacht werden.

Woher, möchte man Pirklhuber und seine Gesinnungsgenossen fragen, sollen die Bauern, für die sie sich so einsetzen, eigentlich sonst ihren Traktor bekommen? Glauben die Grünen, ein Traktor oder eine andere bessere Maschine für die  Landwirtschaft wird  beim Schlosser um die Ecke hergestellt? Fahrzeuge können nur in großen Unternehmen, die üblicherweise Konzerne sind und so genannt werden, produziert werden.

Und die Messgeräte, die der Bauer im Stall bei der Milchproduktion braucht, kommen höchstwahrscheinlich aus dem Konzern Anton Paar GmbH. Ist das also auch ein Konzern, vor dem Pirklhuber und die Agitatoren der diversen Umweltschutz-NGOs die Bauern schützen wollen?