Neulich im Zuckerlgeschäft oder über das Bargeld

Gegenüber der Altlerchenfelder Kirche in der Wiener Josefstadt, dem 8. Wiener Gemeindebezirk, gibt es noch ein alteingesessenes Geschäft mit Süßigkeiten aller Art, die Confiserie Lerche. Einmal in der Woche kommen wir mit unseren beiden Kindern, 8 und 10 Jahre alt, an diesem Geschäft am Heimweg nicht vorbei und treten ein.

Fast unüblich für die heutige moderne Zeit empfängt einen das wunderbare Flair der 50er- und 60er-Jahre, das liebevoll in diesem Geschäftslokal erhalten wurde. Es wimmelt nur so vor Süßigkeiten aller Art, von feinster Schokolade in unzähligen Varianten bis hin zu den Gummizuckerln, Schleckern, Colafläschchen und anderen Leckereien.

SELEKTIEREN, WIEGEN, RECHNEN, FEILSCHEN

Je mit 2 Euro-Münzen bewaffnet betreten beide Kinder das Geschäft und die nachfolgende marktwirtschaftliche Prozedur, die ungefähr 10 Minuten dauert, ist ein Erlebnis der besonderen Art. Es wird selektiert, abgewogen, gerechnet und gefeilscht, dass es eine reine Freude ist zuzusehen.

Eine Tafel weiße Schokolade um 1,30 Euro, 2 Colafläschchen um je 20 Cent, 1 Schlecker um 40 Cent. Geht sich leider nicht aus. Die nette Geschäftsinhaberin bietet dafür eine halbe Schokobanane gratis und dafür gibt der Sohn gerne 1 Colafläschchen zurück. Es wird solange hin und her gerechnet, dass man selbst als Erwachsener schnell den Überblick verliert und nur noch gutmütig daneben steht, in der Hoffnung, dass die Inhaberin oder die Kinder noch den Überblick bewahren.

Überraschenderweise gelingt es ihnen auch und es kommt ein Vertragsabschluß über den Erwerb von Süßigkeiten im Ausmaß von exakt je 2 Euro zustande.

Die Münzen in den Händen der Kinder sind von unschätzbarem Vorteil. Es sind zwei Euro. Die Zahl 2 steht auf der Münze und die Kinder lernen und wissen um den Wert von 2 Euro. Auf einer Plastikkarte, sei es eine Bankomat- oder Kreditkarte steht kein Wert. Es bleibt eine Karte aus Plastik, die für Kinder keinen unmittelbaren Wert darstellt.

Nicht zuletzt aus diesem Grund ist die Abschaffung von Bargeld, die von manchen Ländern vorangetrieben wird, eine besonders schlechte Idee. Wie sollen die Kinder den Wert von Geld erlernen, wenn es diese einfachen Beispiele wie im Zuckerlgeschäft nicht mehr gibt?