Funktioniert Sozialismus?

Hugo Chávez war über 14 Jahre lang Staatspräsident von Venezuela - bis zu seinem Tod vor exakt 3 Jahren, im März 2013. Der überzeugte Sozialist ließ massiv sozialistische und auch marxistische Ideen in seine Politik einfließen und wollte den Ölreichtum Venezuelas zur Umsetzung seiner Vorstellung vom „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ nutzen. Zu diesem Zwecke setzte er auch die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien des Landes durch.

In einer interessanten Studie haben zwei amerikanische Wirtschaftsprofessoren am Beispiel untersucht, welche Auswirkungen Hugo Chávez‘ politische Entscheidungen (der „Chávismus“) auf die Wirtschaft in Venezuela tatsächlich hatten.

Ganz so weit weg von Europa oder auch Österreich sind diese Gedanken ja nicht, denn auch hierzulande träumen viele Kollektivisten von einem Ideal an Gleichheit und Gerechtigkeit, wie beispielsweise bei der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Auch vor Verstaatlichungen würde wohl zumindest die SPÖ nicht zurückschrecken, deren Minister Stöger und Klug in den letzten Monaten immer wieder Wortmeldungen von sich gaben, dass der Staat nicht notwendigerweise ein schlechter Eigentümer sei. Offensichtlich sind die Desaster von Konsum, verstaatlichter Industrie oder der damaligen Gewerkschaftsbank BAWAG schon vergessen.

WIE ABER WIRKTE SICH DIE SOZIALISTISCHE POLITIK VON CHÁVEZ IN VENEZUELA AUS?

In oben genannter Untersuchung wurde mit einer speziellen Methode versucht, aufgrund des vorhandenen Datenmaterials vergleichbarer Länder ein „synthetisches Venezuela“ zu definieren, also ohne Entscheidungen des Staatspräsidenten Hugo Chávez. Ein theoretisches Konstrukt also, in dem nur „business as usual“ betrieben wird und keine wirkungsmächtigen Entscheidungen des Staatspräsidenten den weiteren Verlauf der ökonomischen Geschicke des Landes beeinflussen würden. Diese Modelldaten wurden dann mit den realen Daten von Venezuela verglichen.

IM REALEN VENEZUELA WURDEN ALLE ÄRMER

Das Ergebnis der Studie war erschreckend, wenn gleich auch nicht wirklich überraschend: Im realen Venezuela wurden alle ärmer. Insbesondere das Pro-Kopf-Einkommen und somit der Wohlstand der Bürger sind dramatisch gesunken. Das Venezuela mit Chávez liegt pro Kopf ungefähr $4.300 hinter einem Venezuela ohne Chávez. Die wenigen Verbesserungen in einzelnen Bereichen wie dem Gesundheitswesen oder bei der Kindersterblichkeitsrate hätte es auch ohne die vermeintlichen sozialistischen Wohltaten von Chávez gegeben.

An diesem Fallbeispiel lässt sich sehen, dass auch Sozialismus Wettbewerb, Anreizsysteme und eine gewisse wirtschaftliche Freiheit benötigt, um zu funktionieren. Der absolute Fokus auf Gleichheit und Gerechtigkeit in sozialistischer Reinkultur führt dazu, dass alle arm werden – und zwar gleich arm.