Kirche geht auf Distanz zum Frieden Christi

Katholische Kapitalismus-Kritik streift den Antisemitismus - Sagt Ihnen „Pax Christi“ etwas?  Nein, nicht das Wort, das auf Deutsch „Der Friede Christi“ bedeutet, sondern eine katholische Organisation dieses Namens. Wahrscheinlich nicht. Präsident der österreichischen Sektion dieser Vereinigung war bis zum letzten Freitag der Bischof von Linz, Manfred Scheuer. An diesem Tag hat er dem Verein seinen Rücktritt mitgeteilt. Das Schreiben, in dem er seine Entscheidung begründet, hat er zeitgleich der Israelitischen Kultusgemeinde übermittelt, Das ist ein  erstaunlicher Vorgang; was hat eine anscheinend innerkatholische Sache mit der jüdischen Gemeinde zu tun?

“Pax Christi“ sei antisemitisch, schreibt der Bischof unverblümt:  “Ich bin überzeugt, dass aufgrund der Shoah gerade in Deutschland und Österreich eine besondere Verantwortung und Sensibilität gegenüber dem Staat Israel notwendig ist.” Scheuer bezog sich  auf einen Vorfall im Mai in Linz. Bei einem Vortrag des palästinensischen „Botschafters“  Salah Abdel Shafi sollen die  Vertreterin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, die Schriftstellerin Anna Mitgutsch, sowie zwei weitere Mitglied der Gemeinde beschimpft worden sein. Er teile die Sorgen der jüdischen Gemeinden über einen wachsenden Antisemitismus in Europa, schrieb  der Bischof, „jede Form des Antisemitismus ist schändlich und auf das Schärfste zu verurteilen.”

Pax Christi International

“Pax Christi International” wurde nach dem 2. Weltkrieg als Versöhnungswerk zwischen Franzosen und Deutschen gegründet. Von 1985 bis 1990 stand  sogar Kardinal Franz König an der Spitze der Organisation. Aber damit hat der Verein heute nichts mehr zu tun. Seit den 80er-Jahren und der Nachrüstungsdebatte hat sich “Pax Christi”  im Fahrwasser der deutschen Friedensbewegung nach links bewegt. Kapitalismus-Kritik und neuerdings die Agitation gegen Israel sind die eigentlichen Themen der unterdessen sektenartigen Vereinigung geworden.

Themen für Vorträge

Eine Auswahl der am Programm stehenden Themen für Vorträge bestätigt das: „Der Kapitalismus geht über Leichen“. (Die Millionen Leichen des Sozialismus werden vergessen).   „Kapitalismus als Religion: Biblische Texte lesen angesichts des globalisierten Kapitalismus“.  Als Alternative wird angeboten: „Was will und kann Solidarische Ökonomie?“ Globalisierung wird  lediglich mit „Rüstung und Krieg“ in Zusammenhang gebracht, den Wohlstandszuwachs gerade in den Ländern der Dritten Welt, wie er von den UNO-Milleniumsberichten bestätigt wir, nehmen die Agitatoren von Pax Christi nicht zur Kenntnis.

Kategorie “überdiözesan nicht förderungswürdig”

Studien-Reisen in die von Israel besetzten Palästinensergebiete gehören ebenso zum Programm von Pax Christi wie die sattsam bekannten Boykottaufrufe gegen Waren aus israelischen  Siedlungen im Westjordanland. Auch wenn die Organisatoren sich dagegen verwahren, können sie nicht verhindern, dass ihre Aufrufe Assoziationen zum  „Kauft nicht beim Juden“ der Nazis auslösen. Das ist nun auch der deutschen Bischofskonferenz zu viel geworden, sie hat Pax Christi kürzlich den Zuschuss aus Kirchensteuermitteln gestrichen und die Organisation in die Kategorie „überdiözesan nicht förderungswürdig“ eingereiht.

Kaufverzicht für einen gerechten Frieden in Palästina und Isreal

Die von Pax Christi ausgegebene Parole: „Kaufverzicht für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel“ mag unsinnig erscheinen, dass ausgerechnet die Palästinenser Pax Christi so wichtig  sind, hat aber seine innere Logik. Linke Kapitalismus-Kritik hat immer schon Schwierigkeiten damit gehabt, sich vom Antisemitismus abzugrenzen. Bischof Scheuer, sonst auch eher ein Anhänger von Umverteilungs-Ökonomie, hat zumindest das  erkannt.

 

 

 

  • Dr.John Bunzl

    Es ist ein Irrtum Israelkritik automatisch mit Antisemitismus gleichzusetzen.Entscheidend ist das Motiv der Kritik. Wird Israel kritisiert
    “weil” es jüdisch ist oder wegen einer konkreten Praxis.Eine verantwortungsvolle Kritik wird den europäisch-christlichen Antisemitismus mit seinem apokalyptischen Auswuchs des Holocaust als kausalen Faktor für die Entstehung des Staates Israel 1948 anerkennen. Eine verantwortungsvolle Haltung muß aber auch die Folgen für das palästinensische Volk mit-bedenken.
    Es macht keinen Sinn den kolonialen Charakter des Konflikts zu leugnen und die Rationalisierungen der israelischen “Hasbara” nachzuplappern. Jede seriöse Analyse des Konflikts in Israel/Palästina wird eine Kette der Gewalt entdecken, die letztlich von der abendländischen Judenverfolgung ausgegangen ist. Die palästinensische Katastrophe (“Nakba”) zu leugnen läuft auf eine Entlastung des europäischen Antisemitismus hinaus und sollte nicht als Solidarität für die Völker in Israel/Palästina mißverstanden werden.