ANONYM – Erfahrungen und Gedanken zur Bildung. Aus dem beruflichen Alltag einer Volksschullehrerin im 16. Wiener Gemeindebezirk

In unserer Gesellschaft hat sich ein sehr unvollständiges Bild der Lehrerarbeit breit gemacht, außer bei jenen, die regelmäßig mit LehrerInnen in Kontakt sind. Es muss unterschieden werden, in welcher Schulstufe und Schulart unterrichtet wird. Weiters gibt es Unterschiede in Stadt und Land. Schüleranzahl, soziale Schicht, Bildung der Eltern, Herkunft und die Muttersprache der SchülerInnen beeinflussen erheblich den Alltag der Kinder und PädagogInnen. All diese Faktoren können eine große Belastung im Lehrerberuf darstellen. Noch dazu kommt, dass sich in vielen Köpfen immer noch das Bild, der nur bis Mittag arbeitenden LehrerInnen, eingebrannt hat, die nach 22 Stunden in der Woche, mit ihrer Arbeit fertig sind und die Hälfte des Jahres Ferien haben. Einzig im Herbst, zu Schulbeginn, wird man plötzlich nicht mehr belächelt. Da will niemand mehr mit den PädagogInnen tauschen. Der Respekt gegenüber dieser bedeutenden Arbeit für die Zukunft des Landes ist sehr gering, auch das unterdrückt die Freude am Beruf.

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(Un-)Bildungspolitik

Ich kann das Reden von der Schulautonomie schon nicht mehr hören. Schuldirektoren sollen die Möglichkeit bekommen, sich die Lehrer an ihrer Schule selbst auszuwählen. Es ist eine der Lieblingsvorstellungen der notorischen Bildungsexperten, die ihre Legitimation daraus beziehen, dass sie zwar in der Schule gesessen, nie aber vor Schülern gestanden sind. Jetzt ist auch die Bildungsministerin wieder mit der Idee dahergekommen.

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Sprache: globaler Schlüssel und lokale Identität

Wessen Dialekt nebenan nicht verstanden wird, neigt dazu, sein Dorf oder Viertel nicht zu verlassen. Meinen alten türkischen Freund konnte ich vor langer Zeit davor bewahren, abgeschoben zu werden. In den damaligen Verhältnissen wäre er als angeblicher Kommunist im Gefängnis gelandet. So blieb er, heiratete, seine Kinder sind erwachsen – und Hakki ist ein angesehener Arzt. Als wir uns das letzte mal sahen, sagte er, Fritz, ich spreche immer schlechter Deutsch, weil die Patienten mit den Jahren ständig mehr wurden, die medizinische Fragen nur türkisch verstehen und beantworten können.

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Hausaufgaben, nein danke!

Hausaufgaben werden seit über 500 Jahren gemacht. Ich habe meine im Schulbus geschrieben oder in einer Stunde davor für die übernächste. Im aufsteigenden Chemiesaal ging das am besten. Es gibt zwar viele Studien zu Hausaufgaben in den letzten etwas mehr als 130 Jahren, sagt Bildungsjournalist Armin Himmelrath in seinem Buch, aber keine, welche die Wirksamkeit von Hausaufgaben belegt. Studien, die Kinder verglichen, die mehrere Jahre keine Hausaufgaben hatten, mit solchen, die welche machen mussten ergaben keine Lernunterschiede, sondern als einzigen Unterschied: Die Kinder ohne Hausaufgaben waren glücklicher.

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© Kerstin Pukall

It’s the family, stupid!

„Die Kita macht den Unterschied“ überschrieb der Tagesspiegel vergangene Woche seinen Bericht zu den alljährlichen Untersuchungen von 5-Jährigen, die seit 2005 nach der gleichen Methode auf ihre Schulfähigkeit hin überprüft werden. Ähnlich hohen Einfluss auf die Erfolgschancen von Kindern habe der soziale Status, das wird zwar erwähnt, dann heißt es jedoch weiter, die Berliner Kitas leisteten den „wichtigsten Beitrag für die Vorbereitung auf die schulische Laufbahn“ , Migrationshintergrund und Geschlecht träten als Einflussfaktoren weit dahinter zurück, wenn es darum ginge, Kinder auf die Schule vorzubereiten. Und dann wird noch der leitende Kinderarzt vom Gesundheitsamt, Matthias Brockstedt, zusammenfassend mit den Worten zitiert: „Jede Kita ist besser als keine“.

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