Bargeld ist ein Teil der Freiheit

Einen besseren Gewährsmann könnte man nicht finden: „Mit Falschgeld kauft keiner Waffen oder Drogen. Die Jungs wären am nächsten Tag tot“. Der das sagt, weiß wovon er redet: Hans-Jürgen Kuhl, ein sehr versierter deutscher  Geldfälscher, der dafür zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde, von denen er vier tatsächlich absitzen musste. Der mittlerweile 75-Jährige  fälschte allerdings keine Euro-Noten, sondern Dollars, die er nach Albanien verkaufte, von wo sie in den Osten kommen sollten.

Die fälschungssichere Banknote

Kuhl behauptet, dafür einen moralischen Grund gehabt zu haben: Die Dollars gingen von einem Kriminellen zum anderen, während bei Euros womöglich eine deutsche Rentnerin den Schaden gehabt hätte. Das wollte er nicht. Der neue mit viel Publicity vorgestellte Euro 50er kostet ihn übrigens nur ein müdes Lächeln: Man hätte ihn fragen sollen, wie man eine Banknote wirklich fälschungssicher macht. Er hätte  nützliche Tipps geben können.

Das Gespräch mit dem Fälscher erschien am selben Tag in der Frankfurter Allgemeinen, an dem auch ein Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des deutschen Wirtschaftsministeriums öffentlich wurde, in dem die Berater die Beschränkung des Bargeldverkehrs, ganz schweigen von der totalen Abschaffung, strikt ablehnen: „Es ist zu befürchten, dass solche Obergrenzen (die Rede ist bekanntlich von 5.000 Euro) normale Bürger und normale Aktivitäten betreffen“ würden. Schattenwirtschaft und Kriminalität könnten sich der Kontrolle leicht entziehen oder „alternative Zahlungsmethoden aufbauen“, so die Gutachter.

Bargeld abschaffen?

Aus wissenschaftlicher wie krimineller Expertise kommt damit die Widerlegung des wichtigsten Arguments für die  Beschränkung und letztendlich dann die  Abschaffung des Bargelds, die  immer noch in den Köpfen der Geldpolitiker herumspukt: Das Bargeld erleichtere den Kriminellen ihr Geschäft. In Wirklichkeit ist das ein vorgeschobenes Argument: Tatsächlich geht es um etwas ganz anderes:  Über Nullzinspolitik oder gar Negativzinsen soll weiter die Verschuldungspolitik zugunsten der unseriös wirtschaftenden Euro-Länder finanziert werden. Den Noch-Sparern in Deutschland, Österreich, Finnland, soll das Sparen verleidet werden, damit sie durch höhere Konsum-Ausgaben die Wirtschaft angeblich anzukurbeln helfen.

Das Ende der Freiheit

Das wäre letztendlich das Ende der Freiheit, die darauf beruht, über sein erworbenes Eigentum frei und ohne totale Kontrolle verfügen zu können. „Die Aufhebung jeglicher Anonymität von Zahlungen rührt an die Grundlagen einer freiheitlichen Gesellschaft“, formulieren es die Gutachter des Wirtschaftsministeriums. Es ist zu hoffen, dass die Ministerin Brigitte Zypries (SPD) das versteht und es auch ihrem neuen Parteivorsitzenden Martin Schulz erklärt, falls er womöglich in einer künftigen rot-rot-grünen Koalition mit solchen Ideen konfrontiert würde. Es gereicht ja der angeblich auf Eigentum und Freiheit eingeschworenen CDU keineswegs zur Ehre, dass es der von ihr gestellte Finanzminister Wolfgang Schäuble war, der die Beschränkung von Bargeldzahlungen ins Gespräch gebracht hat.